WVM Newsletter 03 / 23. September 2013

DAS BAUTEIL DER WOCHE

In der Rubrik „Das Bauteil der Woche“ wird ein Exponat aus dem aktuellen Rekonstruktionsversuch der Berliner Weltverbesserungsmaschine vorgestellt bzw. Alternativen oder Erweiterungen präsentiert.

 

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Shit Head, Marc Quinn, 1997/1998, Edelstahl, Kot, Glas, Installationsmaße: ges. H. 203 x B. 63 x T. 62 cm, © Sammlung Marx, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Nationalgalerie, SMB / Courtesy: Marc Quinn / Foto: Clemens Finkelstein.

 

SHIT HEAD

 

Shit Head ist ein Bauteil für die Berliner Weltverbesserungsmaschine. Es gehört zum Subsystem „Ich-Bedürfnisse“. WVM-Identifikationsnummer: 69 von 70.

 

In einer Zeit, die keinen Gott kennt, ist der Mensch primär durch seinen Körper und dessen biologische Funktionen definiert. Sein Leben hat keinen anderen Sinn als die eigene Scheiße. Der Shit Head ist der Mensch, der erkannt hat, dass es allein um die Befriedigung seiner Bedürfnisse geht. Ist er der Botschafter einer neuen, besseren Welt?

 

Weitere Informationen zum Shit Head finden sie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, oder in Friedrich von Borries/ Moritz Ahlert/ Jens-Uwe Fischer (Hg.): Die Berliner Weltverbesserungsmaschine. Die Rekonstruktion einer abstrakten Imagination, Kritische Schriftenreihe zur Weltverbesserung, Bd. 2, Berlin: Merve Verlag, 2013.

 

FRISCH ERGÄNZT

In der vergangenen Woche wurde die Weltverbesserungsmaschine um zwei Bauteile ergänzt:

 

1) MADGERMANY

 

Madgermany, eine von Ingo Niermann initiierte Bewegung, führte einen Derwisch-Tanz an der Weltverbesserungsmaschine vor dem Hamburger Bahnhof durch. Hier ein paar erste Impressionen:

 

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Weiter Informationen zu Madgermany hier

 

2) IN SUSPENSO

 

Am 19. September 2013 intervenierte der Künstler Torben Laib mit seiner Arbeit “in suspenso” (2013) an der Weltverbesserungsmaschine. Im Vorfeld beschrieb er sein Vorhaben wie folgt:

 

“Im Garten des Hamburger Bahnhofs Berlin, im bepflanzten Kreis steht derzeit eine Pyramide aus Aluminiumstäben. Ein alter Perserteppich wird in der Pyramide der Weltverbesserungsmaschine so angebracht, dass er hängt und die Möglichkeit besteht sich auf diesen Teppich niederzulassen. Der Akteur wird auf dem Teppich Platz nehmen. Anschließend werden seine Haare mit Bändern am Boden starr befestigt.”

 

Am selben Tag um 16:37 Uhr  erreichte uns folgende E-Mail:

 

“Sehr geehrtes Team um die Weltverbesserungsmaschine,
in genau diesem Moment werde ich mich auf einem Perserteppich in die Pyramide, die als Sinnbild für die Weltverbesserungsmaschine fungieren soll, hängen. Was der Maschine fehlt ist die Menschlichkeit, das Organische, das Lebendige.
Ein Bild, das dringend hinzugefügt werden muss.
Der Versuch zu fliegen, nach den Sternen zu greifen ist ein Experiment, das seit Jahrhunderten in Angriff genommen wird. Es ist ein Versuch der zum Scheitern verurteilt ist, da die Bindung an die Erde, an die Schwerkraft immer wieder deutlich macht, dass man auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, je näher man der Sonne kommt.“

 

Richtig, der Traum vom Fliegen und die Berliner Weltverbesserungsmaschine sind eng verwoben. Immer wieder wird es als Mangel empfunden, dass der Homo Sapiens, anders als Flugsaurier, Vögel und Fledermäuse, nicht fliegen kann. Wäre nicht nach dem Erlernen des Aufrechten Ganges das Fliegen der nächste wünschenswerte Schritt?

 

(vgl. dazu auch: Die Berliner Weltverbesserungsmaschine. Eine Geschichte des fortwährenden Scheiterns, Merve Verlag, 2013, S. 121-127).

 
Über die Ergebnisse und Erfahrungen von Madgermany und Torben Laib mit der Weltverbesserungsmaschine werden wir Sie auf dem Laufenden halten.