WVM Newsletter 05 / 18. Oktober 2013

DAS BAUTEIL DER WOCHE

In der Rubrik „Das Bauteil der Woche“ wird ein Exponat aus dem aktuellen Rekonstruktionsversuch der Berliner Weltverbesserungsmaschine vorgestellt.

 

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Nkisi lumweno, 19. Jahrundert aus dem Kongo (Brazzaville), historische Bezeichnung: Loangoküste, Vili (Bawili), Glas, Federn, Holz, Textil, H. 36 x D. 33 cm, Identifikationsnummer: III C 531, Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, © Projektbüro Friedrich von Borries/Foto: Christiane Herold.

 

NKISI LUMWENO

 

Nkisi lumweno ist ein Bauteil für die Berliner Weltverbesserungsmaschine und gehört zum Subsystem „Sicherheitsbedürfnisse“. WVM-Identifikationsnummer: 27 von 70.

 

Nicht nur Rüstungen und Waffen geben Schutz, sondern auch Nkisi Lumweno, eine Kraftfigur aus dem Kongo. Anders als die Schutzvorrichtungen aus Orient und Okzident schützt sie durch die ihr eingeschriebene Lebenskraft, die sie in einem Kraftbehälter vor ihrem Bauch aufbewahrt. Auf einer Schildkröte reist sie zwischen Dies- und Jenseits hin und her und schafft so eine Verbindung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. Dieser ganzheitliche Ansatz könnte Gewalt und Kriege unnötig machen.

 

Weitere Informationen zu Nkisi Lumweno finden sie im Ethnologischen Museum  – Dahlem, oder in Friedrich von Borries/ Moritz Ahlert/ Jens-Uwe Fischer (Hg.): Die Berliner Weltverbesserungsmaschine. Die Rekonstruktion einer abstrakten Imagination, Kritische Schriftenreihe zur Weltverbesserung, Bd. 2, Berlin: Merve Verlag, 2013.

 

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WAS SONST NOCH PASSIERTE

 

Uns hat eine sehr interessant Email erreicht, in der wir auf das Spiegelkabinett des Freiherrn Friedrich von Wasserbrink (1768-1847, VechtaIn), sowie die zeitgenössische südkoreanische Künstlerin Lee Bul hingewiesen wurden.

 

In einer Email an post[a]berliner-weltverbesserungsmaschine.de schrieb man:

 

Wasserbrinks Weltverbesserungs-Spiegelkabinett

 

Der Universalgelehrte Freiherr Friedrich von Wasserbrink (1768-1847, Vechta) entwarf einen achteckigen, umgekehrt-verkehrt spiegelnden, geschlossenen Spiegelparavent, in dem der Betrachter zu humoristischer Selbsterkenntnis gelangen sollte. Eine literarische Adaption (oder Plagiierung) des Spiegelkabinetts findet sich in E.T.A. Hoffmanns Capriccio Prinzessin Brambilla (1820). Leider hat keins der acht Spiegelmodelle, die Wasserbrink zu Lebzeiten fertigte, den Erkenntnisprozess der Probanden überstanden. Es wird berichtet, dass das letzte Modell zerbrach, als Goethe hineinblickte, wobei diejenigen Berichte, die den Bruch der Spiegel als selbstreferentielles Rückkopplungsphänomen von Goethes farbenfroher Aura deuten, wohl eher Legenden sind. Wahrscheinlicher ist, dass dem eitlen Dichterfürsten nicht gefiel, was er erblickte, und er die Spiegel manuell zerstörte.

 

Die südkoreanische Künstlerin Lee Bul hat mit ihrer begehbaren Großskulptur Via Negativa (2012) einen Nachbau gewagt, der momentan im Mudam in Luxemburg zu besichtigen ist. Ihre Version des mehrdimensionalen Spiegels ist um eine labyrinthische Komponente erweitert, die der transzendentalen Obdachlosigkeit des postmodernen Individuums auf zwei Arten Ausdruck verleiht: Erstens stattet sie den Paravent mit einer Spiegeldecke aus und stellt ihn auf spiegelnde Flächen, womit sie den nur horizontalen Erkenntnisprozess Wasserbrinks um eine vertikale Richtung erweitert. Zweitens jedoch schränkt sie die Wirkung des Spiegelexperiments entscheidend ein, indem sie die Spiegelflächen auf Stelzen stellt und dem Rezipienten damit die Möglichkeit lässt, seine Füße nur vertikal gespiegelt zu betrachten und sich damit im Raum orientieren zu können. Diese Inkonsequenz der Skulptur ist vermutlich der Angst der Künstlerin vor einem Zubruchgehen durch in Panik geratene Betrachter geschuldet.

 

Quelle: Archiv des Friedrich-Freiherr-von-Wasserbrink-Instituts für intermediale Metaleptik

 

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Skizze von Via Negativa, Lee Bul, 2012 – Courtesy: Lee Bul.

 

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Via Negativa, Lee Bul, 2012 – Foto: Jeon Byung-cheol, Courtesy: Lee Bul.

 

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LETZTE CHANCE – NUR NOCH BIS SONNTAG

 

Die Ausstellung „Die Berliner Weltverbesserungsmaschine“ ist nur noch bis einschließlich diesen Sonntag, den 20. Oktober 2013, zu sehen. Nutzen Sie die Chance und begeben Sie sich auf Entdeckungsreise.